Dr. Natasha (so wird sie häufig genannt) ist eine russische Neurologin, die sich schon in den 90er Jahren in Großbritannien niederließ und dort eine Familie gründete. Als ihr Sohn mit Autismus diagnostiziert wurde, begann sie, nach den Ursachen zu forschen und schloss ein Diplom in Ernährungswissenschaften ab. Sie entwickelte eine Theorie, dass neurologische Störungen und die Ernährung miteinander zusammenhängen. Nachdem sie ihren Sohn erfolgreich mit ihrem Konzept behandelt hatte, bot sie ab 2000 ihre Entdeckung der Öffentlichkeit an und leitete lange die Cambridge Nutrition Clinic. Im Laufe der Zeit gab sie ihrer Entdeckung mit „GAPS“ einen Namen. Ihr erstes Buch, „GAPS- Gut and Psychology Syndrome“ * erschien 2004 und seither noch drei weitere. Sie ist weltweit hoch anerkannt mit ihrer Autismustherapie mit Hilfe von Ernährung, sowie als Spezialistin im Bereich Darmgesundheit und psychischer sowie physischer Krankheiten mit der Ursache im Darm. Sie gehört zu den gefragtesten Speakern in ihrem Bereich weltweit. Mittlerweile arbeiten auf der ganzen Welt GAPS Coaches (wie ich) und GAPS Practitioner, die von ihrer eignen Akademie ausgebildet werden.

Auch wenn ich jedem ans Herz lege, das Buch „Gut and Psychology Syndrome“ von Dr. Natasha Campbell McBride persönlich zu lesen, so möchte man doch gerade zu Beginn gern einmal einen groben Überblick zu dem Thema bekommen, ohne gleich 455 Seiten lesen zu müssen.

So ging es zumindest uns mit einem autistischen Kleinkind und selbst völlig abgerocktem Nervenkostüm. Da noch lesen, sich konzentrieren, komplexe Inhalte verstehen und merken? Kaum eine Chance. Daher möchte ich Euch zum einen in diesem Blog, aber auch später auf meiner Website und im friends Club die Möglichkeit geben, einfach und schnell an Infos zu kommen. Mittlerweile dürfte es trausende Menschen auf der ganzen Welt geben, die erfolgreich mit dem GAPS- Ernährungsprotokoll sich oder ihrem Kind geholfen haben. Es ist auch toll, die ganzen Erfahrungsberichte und Blogs auf Englisch zu lesen (insofern man der englischen Sprache mächtig ist). Jedoch wünscht man sich doch eher echte Unterstützung in seiner Muttersprache und Erfolgsgeschichten zum „Anfassen“. Jemanden, der nicht tausende Kilometer weit entfernt wohnt, mit anderen Voraussetzungen in Gesetzgebung und Umgebung.

Übersetzt bedeutet „Gut and Psychology Syndrome“ ein Syndrom, was auf Basis der Darm-Kopf-Verbindung basiert. Und zwar, wenn im Darm eine Störung vorliegt, auf die ich gleich näher eingehe, kann es Probleme im Bereich des Gehirns geben. Dr. Natasha geht aber noch einen großen Schritt weiter und stellt die These in den Raum: „All disease begins in the gut“, was übersetzt bedeutet: „Jede Krankheit hat ihren Ursprung im Darm“. Somit ist das Ernährungsprotokoll nicht nur bei Autismus und anderen psychischen Erkrankungen interessant, sondern auch für viele weitere Probleme im physischen Bereich. In ihrem Buch und Seminaren geht sie auf Autoimmunerkrankungen, Allergien, Diabetes und Hormonstörungen, Essstörungen, Epilepsie, sowie Krebs ein.

Die GAPS-Diät ist gar nicht so neu, wie man zunächst denkt. Sie basiert auf der lange bekannten, und geprüften Ernährungstherapie: der „SCD-Diät“. Diese Diät wurde einst von Dr. Haas (USA) entwickelt, um Zöliakie und weitere Krankheiten damit zu heilen.

GAPS ist eine ausgebaute und angepasste Form der SCD-Diät, um für „GAPS-Patienten“ passend zu sein.

Daher muss die Diät niemandem neu, ausgedacht oder seltsam vorkommen. Letztendlich ist die Ernährungsweise nach GAPS das, was unser Körper in seiner Biochemie, mit all seinen Funktionen benötigt, wie die Natur es ihm vorbereitet hat und wie er es benötigt, um sich selbst gesund zu erhalten oder gesund zu werden. Unsere heutigen, sogenannten „Nahrungsmittel“ haben mit Nahrung so gut wie nichts mehr zu tun. Die Basis der Ernährung der Menschen bei uns heute, machen hochgradig verarbeitete und denaturierte Produkte aus. Ihr könnt Euch das so vorstellen: Unser Körper ist wie ein Computer auf das Auslesen bestimmter Strukturen ausgerichtet. Ein Nutella-Toast ist nicht das, worauf uns die Natur programmiert hat und auf eine Nudelterrine auch nicht. Wir versuchen, unseren Körper mit Dingen zu „ernähren“, die er nicht verarbeiten kann. Wer sie jedoch verarbeitet und zu seinem Nutzen verwertet, sind pathogene Mikroben im Darm. Und hier kommen wir zum Knackpunkt und der Basis des GAP-Syndroms: die gestörte Darmflora.

Wie Dr. Natasha es auf den ersten Seiten beschreibt: „Rund um den Globus findet eine epidemische Ausbreitung von Autismus statt. […] Vor etwa 20 Jahren lag in den westlichen Industrieländern die Zahl der Autismusfälle bei 1:10.000. Heute werden, nach Angaben des britischen Gesundheitsministeriums, in Großbritannien 1:150 Kindern mit Autismus diagnostiziert. […] In Deutschland beträgt sie 1:100. Was also geht da vor sich? […]. Sind genetische Anlagen der Grund für diese Epidemie? Die Wahrheit lautet – wir wissen es einfach nicht. Was wir jedoch wissen ist, dass bei genetisch bedingten Störungen kein derart plötzlicher Anstieg der Zahlen zu verzeichnen wäre. So funktioniert die Genetik einfach nicht. Dieses verstärkte Auftreten von Neuerkrankungen kann nicht durch Erbanlagen erklärt werden. Im Gegenteil, es liefert eher ein überzeugendes Argument der These, dass bei der Entwicklung von Autismus die Erbanlagen möglicherweise überhaupt keine Rolle spielen. Ist dieses gehäufte Auftreten auf verbesserte Diagnoseverfahren zurückzuführen? So zumindest versuchen uns dies einige bekannte britische Spezialisten zu erklären. Wollen sie damit sagen, dass die Ärzte in Großbritannien vor 15 Jahren so wenig in der Lage waren, Autismus zu erkennen und zu diagnostizieren, dass ihnen bei jeweils 150 Kindern ein Krankheitsfall entging? Wenn dies der Fall ist, wo sind dann alle diese Kinder heute? Aus ihnen wären mittlerweile autistische Teenager geworden, denn wir wissen, dass diese Krankheit nicht mit zunehmendem Alter verschwindet. In Großbritannien ist ganz eindeutig nicht einer von 150 Teenagern an Autismus erkrankt. Mit diesem Argument lässt sich also niemand überzeugen. Irgendetwas anderes ist hier im Gange. Etwas, das man weder einfach wegdiskutieren noch mit einer Pille regeln kann.“(Quelle: „Gut and Psychology Syndrome“, deutsche Fassung, Seite 9;10)

Sie beschreibt auf den weiteren Seiten, dass unsere Kinder selten an einer Sache leiden. Häufig überschneidet sich Autismus mit ADHS und anderen Krankheitsbildern wie Dyspraxie, Legasthenie, Allergien, Asthma, Ekzemen und Verhaltensauffälligkeiten.

Weiter, ab Seite 14, GAPS, deutsche Fassung: „Warum besteht zwischen all diesen Krankheitsbildern ein Zusammenhang? […] Welches zu Grunde liegende Problem entgeht uns bei unseren Kindern, durch das sie anfällig werden für Asthma, Ekzeme, Allergien, Dyspraxie, Legasthenie, Verhaltensauffälligkeiten, ADHS und Autismus in unterschiedlichen Kombinationen? Warum werden viele dieser Kinder als Teenager drogenabhängig? Warum sehen sich viele dieser Kinder später mit der Diagnose Schizophrenie, Depression, Bipolare Störung sowie anderen psychologischen und psychiatrischen Störungen konfrontiert? Um eine Antwort auf alle diese Fragen zu finden, müssen wir uns einen Faktor genauer anschauen, der all diese Patienten in einem klinischen Umfeld vereint. Dieser besondere Faktor ist ihr Verdauungssystem. Das Kind, das unter Autismus, ADHS/ADS, Asthma, Ekzemen, Allergien, Dyspraxie oder Legasthenie leidet und keine Verdauungsstörungen hat, muss ich erst noch kennenlernen.

GAPS ist also letztlich ein Überbegriff für ein Krankheitsbild, das aus vielen verschiedenen einzeln kategorisierten Erkrankungen besteht. Sie beendet damit für sich ein Schubladendenken der Medizin in einzelnen Krankheiten, sondern benennt das Problem mit „Gut and Psychology Syndrome“ bei der Gemeinsamkeit, die alle diese Probleme bei den Kindern jeweils haben: dem Problem im Verdauungssystem.

Von der Darmflora, dem Mikrobiom, der Fehlbesiedlung ist ja schon immer mal was bei uns in Deutschland in den breiten Massenmedien zu finden. Hier und da haben Forscher etwas über Bakterien herausgefunden, die in uns etwas verursachen.

Kapitel 2 – „Die Wurzeln eines Baumes“ – Gut and Psychology Syndrome, deutsche Fassung.

Wir Menschen könnten nicht leben ohne diese kleinsten Mikroben, die wir in und auf unserem Körper tragen. Die größten Kolonien an Mikroorganismen leben in unserem Verdauungssystem. Ein gesunder Erwachsener hat durchschnittlich 1,5 – 2 kg Bakterien im Darm. All diese Bakterien sind nicht einfach eine chaotische, mikrobielle Masse, sondern eine ausgefeilt organisierte Mikrowelt, in der bestimmte Arten andere beherrschen und kontrollieren. […] Die Mikroflora des Darms kann in drei Gruppen unterteilt werden.“

  • Die nützliche Flora- größter Anteil, freundliche, physiologische Stämme, sehr wichtige Aufgaben
  • Die opportunistische Flora – ihr Aufkommen im Darm ist begrenzt und wird durch die nützliche Flora streng überwacht. Gerät sie außer Kontrolle, kann jeder einzelne der Mikroorganismen die unterschiedlichsten Gesundheitsprobleme hervorrufen.
  • Die transiente Flora – verschiedene Mikroorganismen, die wir tagtäglich über unsere Nahrung aufnehmen. Ist die nützliche Flora stark genug, können diese Organismen keinen Schaden anrichten und passieren einfach den Verdauungstrakt.

Gerät die Zusammensetzung der Darmflora aus dem Gleichgewicht, so entstehen für den Körper die unterschiedlichsten Probleme. Je nachdem welche pathogenen Mikroorganismen Überhand nehmen, entstehen die unterschiedlichsten Krankheiten. Denn letztlich produzieren alle Mikroben unterschiedliche Toxine in ihrem Stoffwechsel. Das heißt, wenn sie sich ernähren, scheiden sie danach natürlich etwas aus. Das sind Toxine, die bei uns viel anrichten können. Die Toxine der einen Stämme schädigen zum Beispiel eher die Lunge, die nächsten das Herz, andere sind echte Neurogifte und lösen psychische Störungen aus. Im Fall von Autismus gibt es sogar laut Dr. Natasha und anderen Stimmen der Fachwelt immer wieder besonders ausgeprägte, bestimmte Stämme, die durch ihre Toxinflut aus dem Darm die Symptome der Autismus-Spektrum-Störung verursachen.

Weiter mit dem Thema geht es im kommenden Blogeintrag – Basiswissen Teil 2

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